Wirre Gefühle



Schon vor längerer Zeit hatte ich geschrieben, dass meine Große einen Morbus Perthes hat.

Auf Klugscheiß steckt dahinter eine Ischämie der Femurkopfepiphyse, und diverse Fachleute empfahlen uns unabhängig voneinander eine IVO (die sich wiederum ausgeschrieben äußerst klugscheißerisch intertrochantäre Varisations- bzw. Valgisationsosteotomie nennt).

Ich kläre das mal eben auf: eine Ischämie ist allgemein eine Durchblutungsstörung. Und unter Femur versteht der Fachmann den Oberschenkelknochen. Bei der besagten Femurkopfepiphyse handelt es sich um nichts weniger als die Kugel des Hüftgelenks. Und die IVO ist schließlich eine Operation, bei der die Kugel per Durchtrennung des Oberschenkelknochens anders positioniert wird. Man spricht deshalb auch des öfteren von einer Umstellungsosteotomie, wobei eine Osteotomie wieder allgemein “mechanische Arbeit am Knochen” ist.

Schon vor einiger Zeit haben wir aufgrund der Expertenmeinungen mit dem Olgäle in Stuttgart einen Termin für diese Operation ausgemacht.

Heute nun habe ich Emma, Mama und Oskar nach Stuttgart gebracht, und es ist - speziell für mich als Kerl - äußerst schwierig, meine aktuelle Gefühlswelt für mich selbst einzusortieren oder gar in Worte zu fassen.

Auf der einen Seite sind wir uns supersicher, dass die Leute um Herrn Dr. Eberhardt wirklich gute Arbeit leisten werden. Schließlich machen die gut 300 dieser Operationen im Jahr; das ist eine ganze Menge.
Auf der anderen Seite ist ein menschlicher Körper nicht wie ein Auto, das man nach einer missglückten Reparatur einfach ersetzen könnte beziehungsweise bei dem eine Vorgehensweise A mit Sicherheit das Ergebnis B bringt.

Einerseits verspricht die OP (obwohl unsere Emma bislang komplett beschwerdefrei war), dass Emma mit 20 keine künstliche Hüfte braucht und sich ihr Hüftgelenk wieder normal aufbauen kann.
Andererseits kann uns niemand mit letzter Sicherheit sagen, dass die OP wirklich absolut notwendig ist.

Einerseits rede ich mir ein, dass ich den Leuten 100% vertrauen kann.
Andererseits kenne ich sie nicht wirklich.

Einerseits habe ich mich heute gefreut wie ein Schneekönig, als ich gesehen habe, wie Emma in der Klinik auf der Arche Noah rumgesprungen ist.
Andererseits blutet mir das Herz (und die Augen machen kräftig Pipi dazu), wenn ich weiß, dass sie das morgen Abend nicht machen können wird.

Einerseits interessiert es mich brutal, was die Leute morgen mit meiner Emma machen werden.
Andererseits hatte und habe ich viel zu viel Schiss davor, mir diesen Film anzuschauen.

Morgen ist also die Operation. Und ich bete und drücke sämtliche Daumen (ihr da draußen bitte alle auch!), dass alles absolut glatt geht.

Alles andere - und ich bitte um weitestgehendes Verständnis hierfür - ist mir momentan vollkommen scheißegal.

Mittwoch, 14. April 2010 by Wolfram
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