Weiches Wasser



Wenn man die Knippse seiner Wahl nimmt, irgendein Automatikprogramm anschmeißt und sich neben einen Bachlauf stellt, dann könnte beispielsweise sowas dabei rauskommen:
20150426_ndfiltertest1.jpg

Hier hat sich die Elektronik für 1/100 Sekunde Belichtungszeit und komplett offene Blende (bei diesem Objektiv war das f/2.8) entschieden, was man auch an dem relativ schmalen Schärfentiefebereich erkennen kann. Vorder- und Hintergrund saufen etwas in der Unschärfe ab. Das sieht zwar auch nicht ganz daneben aus, aber mit verträumt-weichem Wasser hat das nix zu tun.

Also habe ich für das nächste Foto zwar denselben Automatikmodus verwendet (ich mag ja den “P”), aber ich habe die Blende so weit wie möglich zugeschraubt (f/32). Die Automatik hat dafür eine Belichtungszeit von 1,3 Sekunden berechnet, und damit wird das Wasser auch schon deutlich weicher:
20150426_ndfiltertest2.jpg
Auf diesem Foto sieht man auch schön den Effekt der geschlossenen Blende. Obwohl ich sonst nichts weiter verstellt habe, ist nun auch das Gras im Vordergrund noch “schön scharf” geworden.
Nicht vergessen darf man dabei, dass ich für diese Fotos in der Dämmerung unterwegs war. In der Mittagssonne wäre da nicht viel weich geworden, weil die Belichtungszeit dann trotz geschlossener Blende immer noch wasweißich 1/250tel oder so gewesen wäre.

So richtig weich wird’s auf jeden Fall erst, wenn man noch länger belichtet. Und an dieser Stelle sind dann typischerweise die Grenzen des Equipments erreicht, denn die Blende noch weiter als “ganz zu” zu machen, geht halt net. Freilich könnte man nun auch noch die ISO so weit wie möglich runterdrehen, und damit würde die Belichtungszeit wahrscheinlich auch noch ein bissel länger. Aber so richtig lang kann man auch dann nur belichten, wenn’s draußen duster wird.

Des Fotografen Lösung für dieses Dilemma heißt “Graufilter” oder “ND-Filter”. Das sind (im Idealfall) ungefärbte (deshalb “Grau-” beziehungsweise “Neutraldichte”) Filter, die man sich aufs Objektiv vorne drauf schraubt und die je nach Ausführung mal weniger und mal mehr abdunkeln.
Ich hab mir vor längerem schon mal einen “ND-8”-Filter zugelegt. Der tut (je nach Interpretation) so, als wäre die Blende nochmal 8 Stufen weiter zugedreht oder als könne man 8x länger belichten. Das ist zwar schonmal nicht schlecht für Langzeitbelichtungen, bringt aber keine dramatischen Unterschiede.
Richtig gut ist für den Zweck aber mein “Variable ND”-Filter. Das ist technisch gesehen eine Kombination aus zwei linearen Polfiltern, die ich gegeneinander verdrehen kann. Ist die Filterrichtung parallel, wirkt das Dingens wie eine Sonnenbrille (und verdoppelt die Belichtungszeit), wenn ich aber die Filterrichtung überkreuze, dann kommt kaum mehr Licht durch. Mit diesem Filter habe ich auch die Sofi neulich geknippst.

Meine ND-Filter passen leider nicht auf meine 90mm-Festbrennweite, deshalb musste ich an dieser Stelle kurz das Objektiv wechseln, was dazu führt, dass die Fotos leider nicht direkt vergleichbar sind.

Für das Bächlein bin ich nun so vorgegangen:

  • Filter drauf, Licht durchlassen
  • Fokussieren, dann AF aus (weil der AF geht freilich auch nicht mehr so gut, wenn man abdunkelt)
  • Kamera auf M
  • Filter auf “halbzu”
  • Blende ganz zu (f/32)
  • Belichtungszeit 15 Sekunden (π-mal-Daumen-Kontrolle über Belichtungsmesser im Sucher)

Und damit sah das Ergebnis so aus:
20150426_ndfiltertest3.jpg

So gefällt mir das!

Wobei damit auch direkt schon das nächste Ziel klar ist: Offenblende und ND-Filter kombinieren! Damit müsste dann das Gras leicht unscharf werden, was den Blick eher auf den Bachlauf lenkt.

Montag, 27. April 2015 by Wolfram
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