Schöner warten mit Digital



Ich kann mich noch an terrestrisches Fernsehen erinnern. Der SDR (der Süddeutsche Rundfunk, Anm. d. Red.) hatte seinen Sender in Stuttgart und wir haben das Programm über eine Antenne im Dach mehr oder weniger direkt empfangen.
Dann kam irgendwann der Astra und das unbegrenzte Werbefernsehen. Wir haben uns zu irgendeiner Fußball-WM den Spaß erlaubt, uns das Bild per Satellit auf den Schirm zu holen, den Fernseher stumm zu schalten und als Tonspur die Live-Übertragung im Radio zuzuschalten. Das hatte gleich mehrere Vorteile, unter anderem den, dass wir schon mehrere Sekunden im Voraus wussten, wenn ein Tor fallen würde. Und dank des Radiotons hatten wir auch den deutlich motivierteren Kommentar.
Dann kam Astra-Digital. Schneefrei schauen! Aber die Übertragungszeit ist damit auch deutlich angestiegen, denn das Bild musste vor dem Versenden noch digitalisiert werden. Die gefühlte Zapp-Schwuppdizität sank ins Bodenlose, denn Umschalten dauerte statt ein paar Zehntelsekunden plötzlich deutlich merklich lang.
Moderne Receiver machen das dank schnellerer Elektronik natürlich deutlich besser, und man hat sich inzwischen auch so weit daran gewöhnt, dass zumindest ich nicht mehr viel über diese Verzögerung nachgedacht habe.

Bis neulich.

Denn wir haben uns nun auch so ein tolles neues DAB+-Radio zugelegt!
Wenn es ausgeschaltet ist, zeigt es eine nahezu Atomgenaue Uhrzeit an, weiß der Henker, woher. Wenn man es im DAB-Modus einschaltet, spielt es glasklares rauschfreies Radio. Und wenn man in der Nähe versehentlich ein analoges Radio anschaltet, kriegt man beinahe einen Koller, um wieviele Sekunden der DAB-Ton gegenüber dem FM-Ton versetzt ist. Mir ist das aufgefallen, als ich von den Kids rüber kam in unsere Küche und dasselbe Lied nochmal gehört habe.
Übrigens hat unser DAB+-Radio auch noch einen Analog-Modus, und das ist wirklich klasse, wenn man was nicht mitgekriegt hat. Galant ans Gerät gewandert, umgeschaltet auf FM und schon kann man sich die letzten paar Sekunden nochmal anhören …

Wahrscheinlich wird die Uhrzeit auf dem Dingens nur deshalb im Betrieb nicht angezeigt, damit man sich nicht wundert, warum der 12-Uhr-Gong erst um 10 Sekunden nach 12 Uhr kommt. Die Armbanduhr braucht man nach dem Ton nicht wirklich zu stellen.

Digitaler Rundfunk heißt für mich deshalb in erster Linie, dass ich zeitlich ziemlich weit weg bin vom “echten” Geschehen.
Mal sehen, wann ich mich auch an die DAB-Verzögerung gewöhnt habe …

Donnerstag, 20. Oktober 2016 by Wolfram
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