Seit ein paar Tagen hatte der Familienwagen Probleme mit dem Bremslicht. Berichtet von hinterherfahrenden Leuten.
Klarer Fall, da ist eine Glühlampe defekt, die kann ich ja mal eben kurz tauschen (*).
Aber: die Glühlampen waren vollkommen okay, und es war auch nicht nur ein Bremslicht ausgefallen, sondern alle drei.
Also könnte es ja auch die Sicherung sein. (**)
Aber: zum Einen ist es eine ganz schöne Challenge, die richtige Sicherung zu finden (es ist in der mittleren Reihe die sechste von oben, eine rote 10A-Sicherung, in der Übersicht mit “STOP” beschriftet). Und zum Anderen hatte dieses Exemplar sauber Durchgang. Ich habe mit dem Messgerät im eingebauten Zustand quer gemessen (Durchgang), in ausgebautem Zustand über die beiden flachen Pins (Durchgang) und mit Zündung an die Spannung gegen Masse an beiden Messpins (12V und 12V). Sicherung also okay..
Also könnte es auch der Bremslichtschalter sein. (***)
Aber: den Bremslichtschalter habe ich auch mehrfach durchgepiepst und betätigt, der tat genau das, was er sollte.
Also hab ich mal die KI befragt (macht man ja heute so) und ein paar wundersame (und grottenfalsche) Hinweise bekommen:
Ich soll doch - falls eine Hängerkupplung verbaut ist, nach dem Steuergerät für die Hängerkupplung schauen - da würden alle Bremslichtdrähte zu einem zusammengefasst und dann wieder so verteilt, dass auch der Hänger noch Bremslichtsignale abbekommt. Hängerkupplung ist zwar eine dran, aber kein Steuergerät - wozu auch? Der Vivaro A ist noch reichlich analog unterwegs und hatte fahrzeugseitige Vorbereitung für die Hängerkupplung - Stecker ohne Steuergerät.
Oder ich soll nochmal die Bremslichtbirnen kontrollieren - denn wenn eine davon ausgefallen sei, sei der Stromkreis nicht mehr geschlossen (Hä? Bei welchem Auto sind bitteschön die Bremslichtbirnen in Reihe geschaltet?!?). Ziemlich viel Unfug auf jeden Fall.
Beim Messen am fahrzeugseitigen Stecker des Bremslichtschalters fiel mir dann auf, dass hier keine 12V ankamen. Damit blieb nur noch ein Problem zwischen Sicherungskasten und dem Bremslichtschalter. Geschätzt 50cm Luftlinie, aber der Kabelstrang ist an der Stelle so verbaut, dass zur Kontrolle das komplette Cockpit raus muss.
In meiner Verzweiflung habe ich die Sicherung nochmal durchgepiepst und dann aus lauter Jux und Dollerei eine 30A-Sicherung an die Stelle gesteckt - und auf einmal ging das Bremslicht wieder!
Es war trotz allem Messen die Sicherung!
Dieser Sauhund hier:
Hier nochmal ein Makrofoto vom Sicherungsdraht; da sieht man recht gut, dass da eine Unterbrechung ist:
Die einzige Erklärung, die ich für meine Beobachtungen habe, ist, dass über die Bruchstelle wohl noch genügend Strom für das Messgerät geflossen ist. Das sind nur ein paar Mikroampere. Aber richtig Strom (beim Bremsen leuchten immerhin kurz mal mindestens 50W) ging da nicht mehr drüber.
Auf jeden Fall werde ich in Zukunft nach wie vor verdächtige Sicherungen durchpiepsen - aber auch testweise mal tauschen, bevor ich das halbe Auto zerlege..
(*): “Mal eben kurz” ist beim Opel Vivaro A übrigens quasi gar nichts, wenn man noch nie hingelangt hat. Um zum Beispiel an die Bremslichttbirnen zu kommen, muss man die komplette Leuchteneinheit abbauen. Das ist kein Problem - wenn man einen 27er Torx zur Hand hat und weiß, dass das Ding innen (zum Kofferraum hin) von drei Schrauben gehalten wird und außen von drei Kugelköpfen in Kunststoffhülsen.
(**): Der Sicherungskasten vom Vivaro A befindet sich vom Lenkrad aus gesehen auf der linken Seite, hinter dem Plastik-Becherhalter. Also Tür auf und das Ding weggerupft, dann sieht man die Sicherungen.
(***): Der Bremslichtschalter beim Vivaro A ist im Fußraum wunderbar zugänglich und hat einen Bajonettverschluss. 90 Grad drehen, das gute Stück und schon hat man es in der Hand. Der Bremslichtschalter hat vier Pins, die über kreuz geschaltet sind. Zwei sind für einen Öffner (für die Bremslampen), zwei für einen Schließer (fürs Steuergerät, zum Beispiel zum Tempomat abschalten). Im Ruhezustand ist der Druckschalter betätigt, der Öffner damit offen und die Bremslichter aus.

