Donnerstag, 28. Dezember, 2023

Ich wünsche mir

Vieles hat sich in den vergangenen Jahren verändert, und viele der Veränderungen waren nicht so toll.
Zeit für ein paar Wünsche:

Ich wünsche mir mehr Empathie und Verständnis.
Ich wünsche mir weniger Neid, Hass und Hetze.

Ich wünsche mir, dass Menschen mehr probieren, sich in andere hineinzuversetzen. Dass sie versuchen, Verständnis für anderer Leute Ansichten zu haben. Weniger offen zur Schau gestellte Feindseligkeit. Weniger „Halt’s Maul“ und „Das muss weg“ und mehr „erklär mir mal“ und „das finde ich nicht gut, weil“. Weniger Missgunst, wenn jemand scheinbar mehr hat als man selbst. Platzende Filterblasen und Blicke über den eigenen Tellerrand. Vertrauen in die eigenen Sinne und nicht irgendwelchen Dingen, die ihnen irgendwer irgendwo erzählt.

Ich habe mich in den letzten Jahren über einige Menschen in meinem Umfeld gewundert. Über offenen Antisemitismus und Rassismus von „ganz normalen“ Leuten. Über Menschen mit (so dachte ich) guter Schulbildung, die auf einmal an sehr wilde Dinge glauben. Darüber, wie Menschen aus aufgeschnappten Gerüchten falsche Tatsachen konstruieren. Wie sich ganze Menschengruppen auf einer solchen Basis zusammen tun. Wie Menschen ganz offensichtliche Unwahrheiten zum Besten geben und sich nicht dafür schämen.
Ich habe mich über Menschen gewundert, die angesichts eines neueren Autos mit ukrainischem Kennzeichen in Hasstiraden ausgebrochen sind. Sie waren unfähig, sich vorzustellen, was dazu gehört, aus dem eigenen Heim flüchten zu müssen. Sie konnten sich nicht vorstellen, dass, falls sie selbst flüchten müssten, natürlich auch den besten verfügbaren Wagen verwenden würden.

Wenn Menschen sich nur eine Seite eines Sachverhaltes oder gar nur einen Ausschnitt davon anschauen, ist es leicht, sie damit auf falsche Gedanken zu bringen. Aber nichts in der Welt hat nur eine einzige Seite, und es rentiert sich immer, mehr als nur einen Aspekt anzusehen.
Solange die Menschen tun und lassen konnten, nach was auch immer ihnen war, hat niemand einen Gedanken daran verschwendet, wie er oder sie damit zurecht kommen würde, falls dieser Zustand einmal enden würde. Corona hat dafür gesorgt, dass die Menschen nicht mehr alles selbst unter Kontrolle hatten. Damit sind manche nicht gut zurecht gekommen, und die Nachwehen davon werden uns als Gesellschaft wohl leider erhalten bleiben.
Irgendjemand hat ein mal gesagt, dass es für jedes komplexe Problem eine vollkommen einleuchtende und einfache Antwort gibt - die komplett falsch ist. Die Probleme in unserer heutigen Welt sind leider nicht mehr so einfach gestrickt, dass es einfache Erklärungen oder Lösungen gibt.
So wie es in Deutschland zur Fußball-WM immer auf einmal Millionen von Trainern gibt, die alle erklären können, warum ein Schuss daneben ging, gab es auf einmal Millionen Virologen und Pandemiefachleuten. Die mit einer unbegreiflichen Selbstverständlichkeit davon überzeugt waren, dass sie mehr Ahnung haben als renommierte Wissenschaftler und Fachleute. Es ist sehr schwierig, zuzugeben, dass das eigene Wissen nicht ausreicht, um eine Situation zu beurteilen. Aber es ist für den eigenen Seelenfrieden natürlich einfacher, davon auszugehen, dass alle anderen falsch liegen. Und das Internet macht es heute leider umso einfacher, solche Positionen auch noch zu stärken.

Ich wünsche mir, dass wir nachfolgenden Generationen eine Welt hinterlassen, in der man gut leben kann. Mit Krieg und Neid und Hass und Hetze und Rechtsextremismus am Steuerruder kann das nicht gelingen. Ich wünsche mir eine Welt, in der soziales Miteinander nicht die Ausnahme sondern die Regel ist.

Deshalb nochmal:

Ich wünsche mir mehr Empathie.
Ich wünsche mir mehr Verständnis.
Ich wünsche mir mehr Offenheit.
Ich wünsche mir weniger Neid.
Ich wünsche mir weniger Hass.
Ich wünsche mir weniger Hetze.

Danke.